Glascha - aus dem Leben einer Königin

Wie alles anfing

Susi von Delitzsch-Laue alias Glafira Semjonowna, Baryschnja Bahrenfelda, oder auch Glascha, Glaschenka, Glaschunja

23.04.2016

Glascha schläft das erste Mal in ihrem neuen Zuhause, ganz erschöpft.
Um 13.20 sah sie uns zum ersten Mal, ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen, zum Spazierengehen war sie nicht sonderlich aufgelegt. An unserem Gespräch mit Kathrin, der Verantwortlichen im Tierheim Delitzsch, nahm sie keinen Anteil, zeigte aber ihren freundlichen und aufgeschlossenen Charakter. Jetzt kommt sie mit uns mit nach Hamburg - wahrscheinlich gefällt ihr das Auto. Ihre Patin treffen wir nicht an, verabschieden uns aber von Gundi in Leipzig, die sich viel um Susi gekümmert hat und der deren Schicksal sehr am Herzen liegt.

Ganz ganz liebe Menschen haben Susi im Tierheim liebevoll gepflegt, aber doch war sie sehr lange allein, in ihrem Zwinger. Groß war der, fürsorglich eingerichtet, mit mehreren Schlafplätzen, Sofas, Verstecken -  aber ein Zwinger, in dem sie vor Einsamkeit und Langerweile schon begonnen hatte, den Schaumstoff ihres Bettes zu zerkauen.

Jetzt fängt ein neues Leben an, alle müssen viel lernen.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

 

 

             Im Elbtunnel: gleich zu Hause.

24.04.

Glaschas Geburtsjahr kennen wir nicht (2011?), schon gar nicht ihren Geburtstag: das wird jetzt der 23. April. Wir gratulieren nachträglich, es gibt Schollenfilet an Mohrrübchen mit Kartoffelflocken, Vorbereitungszeit 9 min,
Dauer der Mahlzeit ca. 80 sek.

Morgens die 1.Runde, im Gänse- oder Bonnepark - http://www.hamburg.de/parkanlagen/3053428/bonnepark/
das wird sich jetzt täglich wiederholen, meist zweimal, und bald wird Glascha 'Kiruschas Drift' mit geschlossenen Augen gehen können - aber wahrscheinlich reicht ihr auch die Nase.

Die Häuser sind mit einem Metallzaun von der Hundewiese abgetrennt. Glascha läuft zu einer Pforte, schnüffelt, setzt sich davor und schaut hoch, als wolle sie sagen: Mach doch auf!

25.04.

Die ersten Bekanntschaften im Park: na, wie im Leben, einige uninteressant, andere so la-la, ein paar: geht gaa nich. Letztlich doch in der Gruppe harmonische Runden gedreht. Was bleibt einem übrig in dieser Welt.

26.04.

Glascha schnappt gern. Nach Joggern, Radfahrern, Autos, Vögeln, Eichhörnchen, Enten. So ziemlich nach allem, was sich bewegt. Wenn sie nicht aus Sachsen käme, könnte man glauben, sie sei eine richtige Preußin. Als die Preußen ins Königreich Hannover einmarschierten, um dessen Existenz zu beenden, kamen die Soldaten in der Heide an einem jungen Schweinehirten vorbei, der seinen Hund 'Bismarck' rief. Sehr erbost stellten sie den 12-jährigen zur Rede, ob  denn hier alle Hunde so hießen? "Näi" seggt der, "nur de Swienhund".

27.04.

Glascha will sich auch in der Wohnung durchsetzen und knurrt und schnappt nach dem Frauchen. Im Haus is immer die Frau Chefin, leider kann's nur eine geben.

28.04.

Wenn sie auch sonst nichts mehr loslässt, was sie im Maul hat, versteht sie doch auf der eingezäunten Hundewiese beim 2. Versuch, dass sie zum Spielen den Ball zurückbringen muss und legt ihn uns artig vor die Füße. Kluges Kind, nachmittags wird noch geschickt eine große Labrador-Hündin auf den Rücken geworfen, nachdem frau sich 5 min lang freundlich gestellt hat: Heimtücke, dein Name ist Glafira Semjonowna!

 

29.04.

Glaschas 1. Opfer: 1 Ikea-Kissen. Nich schade drum. Dieser Müll hat in Wohnungen ohnehin nix verloren. Wir spielen Schimpfen, sie beleidigte Leberwurst.
Glaschas 1. Knochen: Suppenfleisch, mit eher, naja, Knorpel. Bravourös alles zermalmt & weggeputzt. Hinterher Kartoffeln mit Möhren und Spargel. Hering liebt sie ebenfalls.

 

30.04.

Hübscher Knochenkot (ohne Foto) und furchtlos auf der Autobahnbrücke Othmarschen.

Genau, da unten, das sind alles unsere Feinde.

Die Autoindustrie macht einen Umsatz von 405 Mrd €
jährlich und wird jetzt noch mit meinen Steuergeldern subventioniert: 8 oder 10 Monate Hartz IV bekommt der Käufer eines E-Autos, bei Mercedes also LED-Licht, Panoramadach und Holzzierleisten, geschenkt.

Debilität, dein Name ist Bundesregierung.

Oder, so sieht's aus, wir werden von Daimler & der Deutschen Bank regiert...

01.05.

"Na Glascha, was willst du mal werden, wenn du groß bist?" -
"Zarin von Bahrenfeld!"
Sie übt schon. Setzt sich aus unerfindlichen Anlässen auf den Hintern und will
nicht weiter. Sind denn alle Adligen solche Esel?